Heute kommen wir zu einem Villinger Schnitzer, den wahrscheinlich alle kennen! Wolfgang Joos aus Brigachtal.
Der gelernte Schlossermeister und spätere Bahnmitarbeiter kam, wie viele, nicht ganz gewöhnlich zum Schnitzen. Im 1922 veröffentlichten Buch von Albert Fischer „Villinger Fastnacht – einst und heute“ heißt es auf Seite 20:
„…seit einigen Jahren schnitzt auch ein biederer Schlossergeselle Felix Moser solche Larven.“
Gemeint war natürlich Friedrich Felix Moser aus dem Rietviertel in Villingen, der vor allem in den 1920er-1930er Jahren geschnitzt hat und sehr bekannt war.
Hier war der Ansporn für Wolfgang Joos geschaffen: Ein Schlossergeselle kann schnitzen? Das schaffe ich auch! Und genau so kam’s! Etliche Jahre hat Joos seine Schemen geschnitzt und später auch komplett selbst gefasst.
Frühe Werke zieren ein schwarz eingebranntes „J“ in Stirnhöhe. Diese Werke stammen noch aus der Zeit, als Joos in Villingen gelebt hat, so erfahren wir von seiner Witwe. Spätere Werke bekamen die eingeschnitzten Initialien „WJ“ an der Seite.
Wolfgang Joos hat seine Schemen nach dem Tod von Malermeister Kurt Jauch selbst gefasst. Davor waren auch Walter Gentner und eben Kurt Jauch für seine Fassungen zuständig. Nicht ganz überliefert, aber sehr wahrscheinlich, ist es, dass Kurt Jauch das Fassmalhandwerk dem guten Freund Wolfgang Joos beibrachte. Weswegen seine eigenen Fassungen von Anfang an erstaunlich gut waren.
Er hat außerdem ein paar Exemplare für die Narrenzunft Frittlingen geschnitzt in der er auch Mitglied war.
Hauptsächlich hat Joos aber für Villingen geschnitzt. Und hier auch alle Figuren: Narro, Surhebel, Morbili, Bubenscheme und Alt-Villingerin.
Wolfgang Joos wurde durch sein natürliches Talent aber auch oft kritisiert. Man nahm es ihm schlichtweg nicht ab, dass er so schnitzen konnte und kein gelernter Bildhauer war. Streit wurde geschlichtet und er hat bis zu seiner letzten Scheme bewiesen, dass er hervorragende Schemen schnitzen konnte. Und das möchten wir euch hier zeigen, um ihn zu ehren. Das steht im Vordergrund.
Zwei interessante Funfacts:
Viele Joos Schemen haben Rote und Lila schleifen. Das Lila war aber mal Blau. Über die Jahre hat es seine Farbe verändert und ist ausgeblichen. Ein typisches Merkmal bei Joos Schemen die man auf jeden Fall lassen sollte.
Außerdem hat er sich gerne von Filmstars inspirieren lassen. Im Beitrag sind einige Schemen die von seinem Lieblingsschauspieler inspiriert worden sind. Ein Franzose der hauptsächlich zwischen 1960 und 1980 filme gemacht hat. Wer erkennts? Auflösung ganz unten im Beitrag!
Wolfgang Joos ist am 22.07.1938 geboren und am 21.07.1998 verstorben. Viele seiner Werke sind auf der Gass in Villingen zu sehen. Für uns war es also wichtig, seine Arbeiten zu zeigen. Um aber auch die ein oder andere Anekdote zu haben, haben wir seine Witwe und seine zwei Töchter interviewt. Viel Spaß!
Hier nun einige Bilder. Frau Joos hat uns freundlicherweise auch die Archiv-Ordner ihres Mannes zum durchschauen gegeben. Einige Interessante Stück dürfen wir deshalb hier präsentieren.










Aus dem Wolfgang Joos Archiv:




































Ein Joos Narro im Detail. Leihgabe für diesen Beitrag. Wir sagen vielen Dank!















Auflösung der Schauspieler Frage! Na wer hat wen erkannt? Wolfgang Joos war großer Fan von Jean Paul Belmondo. Es gibt zwei Schemen die seinem filmerischen Vorbild nachempfunden sind.




Danke! An die Familie Joos für das Interview und an die Einblicke und das wir das ganze hier so veröffentlich dürfen. Vielen Dank auch an den Leihgeber der Scheme die wir etwas im Detail fotografieren durften!
Ihr habt Schemen, Artefakte oder etwas was zu diesem Beitrag passt? Meldet euch gerne und wir fotografieren/dokumentieren das ganze. Anonym oder namentlich. Völlig egal. info@schemen-typen.de
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